Der Begriff "User Generated Content" (UGC) ist ein wichtiger Baustein des Web 2.0. Ob bei HolidayCheck Bewertungen von Hotels oder Schiffen abgegeben werden oder bei Amazon Erfahrungsberichte mit dort gekauften Produkten eingestellt werden: Den UGC stellen Nutzer der verschiedenen Online-Plattformen zur Verfügung.
Auf den ersten Blick ist das natürlich hinsichtlich der Kosten sehr attraktiv, da für diese Inhalte i.d.R. kein Entgelt anfällt. Auch ist es prinzipiell von Vorteil, wenn sich auch andere Kunden positiv über ein Produkt äußern. Genau das kann bei UGC aber nicht sichergestellt werden: Wenn Kunden - ob zu Recht oder nicht - negativ über ein Produkt oder eine Dienstleistung schreiben, erscheint auch diese Meinung auf der jeweiligen Website. Natürlich kann man einzelne Beiträge manuell entfernen oder verändern, aber das entspricht nicht ganz der Natur des UGC.
UGC ist sowohl für Händler als auch für Hersteller eine interessante Form der Marktforschung: Wesentlich effizienter ist es kaum möglich, an qualifiziertes Feedback der Käufer/Nutzer zu gelangen. Wenn die eingestellten Beiträge genutzt werden, um die Produktpalette oder sogar das Produkt bzw. die Dienstleistung zu verbessern, entfaltet UGC seine optimale Wirkung.
Für viele lokale Firmen und/oder Dienstleister ist "User Generated Content" aber eher uninteressant. Denn UGC ist vor allem bei klar definierten Produkten praktikabel, aber z.B. eher nicht bei Dienstleistern.
Der auf YouTube verfügbare Videoclip "Virales Marketing im Todesstern Stuttgart" [1] ist ein gutes Beispiel für virales Marketing. Die Neu-Synchronisation einer Szene aus Star Wars in schwäbischer Mundart war hinsichtlich der Downloads ein absoluter Hit. Und der Oberbösling Darth Vader durfte auch klarstellen, was er von viralem Marketing hält: "Virales Marketing ist ein absolut machtvolles Werbeinstrument [...]". Ob allerdings wirklich - wie im Clip behauptet - "jedes kleine Handwerkerle" auf virales Marketing setzt, darf bezweifelt werden.
Bei viralem Marketing wird auf groß angelegte Werbung verzichtet und dafür auf Mundpropaganda gesetzt: Ein attraktiver Videoclip, eine abgedrehte Website oder ein Computerspiel wie einst das Moorhuhn-Spiel sind dermaßen attraktiv für die eigene Zielgruppe, dass diese das Medium nicht nur selber konsumieren, sondern auch Freunden und Bekannten davon erzählen - die Botschaft breitet sich dank ihrer Attraktivität im Internet aus.
Die Zutaten für virales Marketing: spannende, kontroverse, lustige Inhalte. Insbesondere in Bezug auf Videoclips werden allerdings nur wenigen Unternehmen die nötigen Geldmittel zur Verfügung stehen. Nicht immer scheitert es allein am Geld. Auch dürfte virales Marketing z.B. für Pharma-Hersteller sehr unattraktiv sein, da es in dieser Branche bestimmte ethische und moralische Standards gibt.
Virales Marketing ist also nicht wirklich eine Ideallösung für jedes Unternehmen - vor allem eben nicht für "jedes kleine Handwerkerle". Um eine erfolgreiche virale Marketingkampagne zu starten, bedarf es einiger Erfahrung. Diese Erfahrung kann man zwar einkaufen, indem man eine erfahrene Agentur beauftragt. Dem stehen aber die hohen Kosten im Weg.
Es gibt sehr viele Buzzwords, die für eine "normale" Website wenig Relevanz besitzen. Neu ist nicht immer unbedingt sinnvoll.
In der Praxis ist häufig zu sehen, dass Unternehmen sich für Tricks oder neuere Entwicklungen interessieren, obwohl sie die bestehenden Möglichkeiten noch gar nicht ausgenutzt haben. Mit anderen Worten: Erst wenn Unternehmen die Website perfekt auf Suchbegriffe abgestimmt haben und optimal innerhalb der Thematik verlinkt sind, sollte über weitere Maßnahmen nachgedacht werden, anstatt direkt neue Baustellen aufzumachen - so attraktiv diese auch erscheinen mögen.
Selbst wenn z.B. ein Blog verlockend erscheint, wäre es für viele Unternehmen häufig ratsamer, zunächst über effektivere Maßnahmen wie einen eigenen Newsletter nachzudenken. Häufig nutzen Unternehmen z.B. noch nicht alle Möglichkeiten aus, bestehende Besucher an das eigene Unternehmen zu binden.
Bei vielen Unternehmen wird auch die Usability-Optimierung vernachlässigt. Dabei geht es um die Aufgabe, Reibungsverluste zu verhindern, z.B. wenn nur wenige Besucher Prospektmaterial anfordern oder sich für einen Newsletter anmelden. In der Regel kann man mit relativ einfachen Mitteln die Ausbeute einer Website dramatisch verbessern - und das ist wesentlich preiswerter und effektiver als viele andere Maßnahmen.
Bei aller Kritik an den Buzzwords ist aber auch zu sehen, dass es durchaus auch positive Exemplare gibt, z.B. "Long Tail" und "Link Bait". Das Stichwort "Long Tail" besagt im Hinblick auf Suchmaschinen-Optimierung, dass es nicht nur einen einzigen Suchbegriff, sondern ganz viele Suchbegriffe und Suchbegriffskombinationen gibt. Das sollte Unternehmen motivieren, sich verstärkt in die Zielkunden reinzudenken und zu relevanten Themengebieten Inhalte bereitzustellen.
Und "Link Bait" bedeutet nicht anderes, als dass die eigene Website so attraktiv ist, dass andere Websites freiwillig auf diese verlinken. Ähnlich wie bei der Blog-Thematik ist es also wichtig, attraktive und manchmal auch kontroverse Inhalte anzubieten.
Viele der genannte Buzzwords sind eher für einige wenige Unternehmen interessant. Zusammenfassend kann man sicherlich sagen, dass diese Themen für sehr traditionelle Branchen (z.B. Investitionsgüter) kaum relevant sind. Einige Buzzwords wie "Social Web" sind insbesondere für Unternehmen interessant, deren Produkte oder Dienstleistungen eine emotionale Komponente habe, also wenn z.B. Besitzerstolz eine Rolle spielt. Da kann es durchaus sinnvoll sein, die Energie der Kunden in die richtigen Bahnen zu lenken und zum eigenen Vorteil zu nutzen.
Grundsätzlich sollte aber immer gelten: Setzen Sie erst auf Web 2.0, wenn Sie Web 1.0 vollständig ausgenutzt haben. Denn zuviele parallele Baustellen lenken definitiv von den wichtigen Dingen ab.
[1] youtube.com/watch?v=uF2djJcPO2A
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