Die großen Internetportale versuchen derzeit, den "dritten Bildschirm" zu erobern. Damitist neben dem Fernseher und Computermonitor das Handy gemeint. Immer mehr Daten- undSprachdienste werden mobil angeboten – ermöglicht durch leistungsstarke Handys undgünstige mobile Datentarife. Ein wichtiger Teil dieser Angebote ist der E-Mail-Empfang,der seit einiger Zeit von Google und Yahoo mobil und gratis angeboten wird.
Zwar sind diese Lösungen nicht für den Einsatz in Unternehmen geeignet, aber sie könnten trotzdemAuswirkungen auf den Mobile-Mail-Einsatz in Unternehmen haben.
Die Lösungen von Google und Yahoo unterscheiden sich in wichtigen Punkten, machen aberjede für sich einige Vorteile des mobilen Mail-Zugriffs in Ansätzen deutlich. Googles"Gmail" ist zunächst nichts anderes als ein herkömmliches Web-Interface. Dieses kannjedoch erkennen, ob der Nutzer per Handy- oder Web-Browser zugreift. Beim Zugriff durcheinen Handy-Browser wird das ohnehin schon sehr einfache und übersichtliche Layout an denkleinen Bildschirm angepasst. Neben E-Mails können auch angehängte Bilder sowie Word- undPDF-Dokumente geöffnet werden. Ein weiteres interessantes Feature weist bereits auf dieVorzüge von "Unified Communication" (also die Kommunikation über mehrere Kanäle wie VoIP,Instant Messaging und Mail über eine Schnittstelle) hin: Hat der Nutzer die Telefonnummernin der Mail-Kontaktliste gespeichert, so kann die Mail auch per Anruf beantwortet werden.Der mobile Zugriff zum Beispiel auf Kalenderdaten ist derzeit nicht explizit vorgesehen.
Während Gmail vor allem auf Einfachheit setzt, ist Yahoos Ansatz umfassender. Hier ist dermobile Mail-Zugriff Teil der Strategie, ein plattformübergreifender Kommunikations- undInhalte-Anbieter zu werden. Um Mobile Mail zu nutzen, muss zunächst dieYahoo Go Softwareheruntergeladen und installiert werden. Der Client ist in Deutschland derzeit für NokiaSmartphones verfügbar, beschränkt sich allerdings nicht auf E-Mail-Funktionalität.Vielmehr soll der Nutzer Zugriff auf eine Fülle von Inhalten bekommen (außer Mails etwaMusikdateien und Bilder) und auch persönliche Termine und Kontakte verwalten können. ImGegensatz zu Gmail können die Nachrichten auch auf dem Gerät gespeichert werden, so dassZugriff im Offline-Modus möglich ist. E-Mail-"Push", d.h. die aktive Zusendung der Mail anden Client sofort nach deren Eingang wie beispielsweise bei RIMs BlackBerry, ist beibeiden Anbietern nicht möglich – aber vielleicht auch nicht immer nötig.
Beide Lösungen sind auf den privaten Nutzer zugeschnitten. Trotzdem könnten dieseMobile-Mail-Lösungen für Private auch Auswirkungen auch auf den Markt für mobileUnternehmenslösungen haben. Setzt sich nämlich Mobile Mail am Massenmarkt durch, wirddiese Entwicklung Unternehmen zunehmend unter Druck setzen, eine übergreifendeMobile-Mail-Strategie zu definieren.
Das hängt vor allem damit zusammen, dass immer mehr Mitarbeiter innovativeKommunikationstechnologien im privaten Umfeld nutzen und diese dann auch an ihremArbeitsplatz erwarten. Das beste Beispiel dafür ist die Verbreitung von VoIP durch Skype.Die Software kann zur Internet-Telefonie und zum Instant Messaging genutzt werden. Dadiese Kommunikationsmöglichkeiten in vielen Unternehmen noch nicht ausreichend bedachtwerden, greifen die Mitarbeiter zur Selbsthilfe und installieren die Software kurzerhandselbst.
Das hat für Unternehmen jedoch einige Nachteile. Sie verlieren die Kontrolle über die amArbeitsplatz genutzte Software, eine heterogene Implementierungslandschaft ist zudemschwierig zu warten und birgt teilweise erhebliche Sicherheitsrisiken, da keine zentraleDurchsetzung von Sicherheits- und Zugriffsregeln möglich ist.
Zwar ermöglichen viele Unternehmen bereits den mobilen Mail-Zugriff: Laut der von BerleconResearch durchgeführten, repräsentativen Umfrage VoIP, Messaging, Mobile Mail & Co, haben56 Prozent der Unternehmen in Deutschland bereits Mobile-Mail-Lösungen implementiert.Allerdings können häufig nur ausgewählte Mitarbeiter aus dem oberen Management mit demHandy auf ihre Mails zugreifen.
Setzen sich die mobilen Mail-Lösungen von Google und Yahoo bei den Privatnutzern durch,könnte die Situation für Unternehmen ähnlich wie bei VoIP sein: Die Mitarbeiter suchensich ihre Technologien selbst aus. Die IT-Verantwortlichen werden dann in diese Richtung"gepusht" und stehen vor vollendeten Tatsachen. So zeigte die Berlecon-Umfrage auch, dassbei etwa einem Drittel (34 Prozent) der Unternehmen, die eine Mobility-Lösung einführten,damit vor allem dem Wunsch der Mitarbeiter gefolgt wurde.
Um das Szenario verstreuter Insellösungen zu vermeiden, sollten Unternehmen jeglicherGröße schon im Vorfeld eine Strategie für Mobile E-Mail entwickeln. Nur so ist eineeinheitliche Implementierung möglich, die das Potenzial der Technologien voll nutzt undeine zentrale Administration sowie die Durchsetzung von Sicherheitsregeln unterstützt. UmUnternehmen die Wahl einer geeigneten Strategie und möglicher Lösungsanbieter zuerleichtern, ist bei Berlecon derzeit ein neuer Report zum Thema Mobile-Mail in Arbeit.
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