In der Mathematik gilt "X" bekanntlich als zu ermittelnde Unbekannte oder als Variable. Ein "X"im Relationship Management zeigt uns allerdings an, dass wir alle nicht "monogam" sind.Vielmehr gehen wir im Berufs- und Privatleben unterschiedlichste Beziehungen ein und nehmenviele Rollen parallel wahr – ob wir wollen oder nicht.
Teil 2 der Artikelreihe erweitert die Grundlagen des Netzwerkens und legt die verändertenAnforderungen an eine Technologie-Plattform dar.
Im CRM kann eine Kundenbeziehung aufgrund des Customer Lifetime Value (CLV) bewertet werden. Der Customer Lifetime Value beinhaltet
Er ist somit ein Konzept, um den ganzheitlichen Wert eines Kunden über die gesamte Dauer derKundenbeziehung zu ermitteln. Die Marketinganstrengungen können sich hierdurch auf die für dasUnternehmen wertvollsten Kunden konzentrieren [1].
Natürlich kann diskutiert werden, ob sich Geschäftsbeziehungen grundsätzlich bewertet lassen und obes einen Return on Investment (ROI) in die Qualität von Geschäftsbeziehungen gibt [2]. Im positivenSinn werden Geschäftsbeziehungen aber nicht nur bewertet, sondern aktiv zum beiderseitigen Nutzengestaltet.
Um die Idee der Bewertung einer Beziehung auf alle Stakeholder zu erweitern, sind im Folgenden zweiAnsätze zu erwähnen.
Im Gegensatz zum Shareholder Value hat sich der Ansatz des Stakeholder Value entwickelt [3]. UnterStakeholder Value wird der Ertragswert oder Nutzen verstanden, der den Anspruchsgruppen einesUnternehmens aus dessen Tätigkeit entsteht. Im weiteren Sinn wird der Begriff auch für einewertorientierte Unternehmensführung verwendet, bei der nicht nur die Interessen der Eigentümer,sondern auch die aller anderen Anspruchsgruppen berücksichtigt werden. Es wird folglich von einerStakeholder-Value-Strategie gesprochen.
Um über die Stakeholder-Value-Strategie hinaus alle wesentlichen Anspruchsgruppen mit einemganzheitlichen Ansatz zu bewerten, bietet sich die Balanced Scorecard (BSC) an [4]. Anstatt der vierPerspektiven der klassischen BSC von Kaplan/Norton wird eineRelationship Management BalancedScorecard (RMBSC)über je eine Perspektive für jede wesentliche Anspruchsgruppe definiert, sodassdiese zumindest folgende Perspektiven umfasst:
Um den Status eines anerkannten Mitglieds in einem Netzwerk zu erlangen, ist immer ein Geben undNehmen sowie ein aktives Arbeiten notwendig. Die Qualität der Netzwerk-Beziehung wird vor allemdurch die Faktoren Sympathie, Anerkennung, Vertrauen, Gegenseitigkeit, Intensität der Kontakte undder Kompetenz bestimmt [5]. In gut funktionierenden Netzwerken weicht der Konkurrenzdruck derKooperation.
Der Nutzen ist ein
Networking ist nicht für den schnellen Erfolg geeignet, da es sich um eine mittel- und langfristigeStrategie handelt. Beziehungen müssen erst aufgebaut werden und sich festigen. Daher könnenbesonders am Anfang Informationen und Ergebnisse teilweise erst zeitversetzt gewonnen und erzieltwerden. Ein konkreter Nutzen kann sich manchmal früher, aber auch später einstellen.Die acht wichtigsten Empfehlungen für ein Networking sind entsprechend [6]:
Das aktive Umsetzen der Empfehlungen – auf geschäftlicher und auf privater Ebene – zeichnet einNetzwerk, ein lebendiges eXtended Relationship Management (XRM), aus. Networking als möglicheStrategie löst die Kundenorientierung zwar nicht komplett ab, aber vergrößert das Blickfeld desUnternehmens.
Erste Ansätze des XRM-Gedankens lassen sich bereits in vielen Software-Technologienwiederfinden. Einige Softwarehersteller benennen Ihre Produkte nicht mehr nur als CRM System,sondern als Business (Relationship Management) Plattform. "XRM" wird auch als Basis für dieEntwicklung von datenbankgestützten Geschäftsanwendungen angeboten und folglich als Evolution desursprünglichen CRM Systems angesehen (XRM Framework) [7].
Die Voraussetzung für die effektive Umsetzung des XRM-Gedankens ist eine flexibel anpassbare IT-Architektur, um neue Technologien und Kommunikationsformen schnell zu integrieren.Darüber hinaus ist die Administration der IT-Systeme zu vereinfachen, so dass sich kostengünstigmit nur einer XRM-Plattform viele Stakeholder-Portale erstellen und verwalten lassen.
Abbildung 1: XRM-Plattform und Stakeholder-Portale
Die XRM-Plattform bildet hierbei den Rahmen für die einzelnen Stakeholder-Portale und diespezifisch angepassten, grafischen Oberflächen (GUI). Es lassen sich dann nicht nur Kunden-, sondernauch Interaktionsprozesse (In Interaktionsprozessen werden Produkte, Dienstleistungen, Informationen und Finanzen ausgetauscht. Die soziale Komponente mussbesonders beachtet werden.) mit anderen Stakeholdern modellieren [8]. Zwingend notwendig ist einIdentifikationsvorgang, so dass die XRM-Plattform erkennen kann, wer der Nutzer ist (Login).Ein IT-System muss dann – hier beispielsweise im direkten Vergleich "klassischer" CRM-Benutzer zuInvestor – hinsichtlich folgender Positionen erweitert und/ oder verändert werden:
Abbildung 2: XRM-Erweiterungen
Diese Erweiterungen müssen entweder
Durch die Erweiterungen werden mehr Daten erfasst, bearbeitet, (zentral) ausgewertet und gespeichert.Folglich muss bei der Auswahl der Software darauf geachtet werden, inwieweit Schnittstellen zuanderen Systemen vorhanden sind, diese genutzt werden können oder programmiert werden müssen.Um nun im operativen Alltag auch alle Informationsmöglichkeiten zu nutzen, können externeDatenquellen, wie soziale Plattformen, Alumni-Netzwerke und Suchmaschinen verknüpft werden:
Abbildung 3: Externe Verknüpfungen
Diese neueren, so genannten Web 2.0-Anwendungen können z. B. Twitter als Werkzeug für aktivesNetzwerken und Empfehlungsmarketing, Web Logs/Blogs für die Vernetzung mit Kunden, Podcasts zurInformationsstreuung oder Second Life als Kontakt- und Vertriebsplattform sein.
Der Artikel hat gezeigt, dass auf der technologischen Seite erste Ansätze vorhanden sind, um sowohldas Stakeholder Relationship Management als auch neuere Anwendungen für das Netzwerken zuintegrieren. Flexible XRM-Plattformen sind zwingend notwendig, um zukünftige Anforderungenabzudecken.
Die langfristige, strategische Entwicklung etabliert das Netzwerken als Ergänzung für diegenerischen Positionierungen der Kostenführerschaft, Differenzierung, Nischenpolitik, aber auch derTechnologieführerschaft und Kundenorientierung.
Lebendiges Relationship Management ist somit offen und dynamisch
Literaturverzeichnis
[1] Vgl. Düssel, M. (2006): Handbuch Marketingpraxis, 1. Auflage, Berlin, S. 370.
[2] Vgl. Hennig-Thurau, Th./ Bornemann, D. (2003): Return on Relationship Quality, oder: Lohnen sichInvestitionen in die Qualität von Geschäftsbeziehungen, in: Payne, A./ Rapp, R. (Hrsg.) (2003): HandbuchRelationship Marketing, 2. Auflage, München, S. 112 – 136.
[3] Vgl. Zeitler, G. (2009): Stakeholder Value – Wertorientierte Unternehmensführung für alleAnspruchsgruppen, http://knol.google.com/k/gerd-zeitler/stakeholder-value/2otpq9c0cx6bo/13# Die_Bedeutung_des_Begriffs, 10. Version, München.
[4] Siehe hierzu Kaplan, R. S./ Norton, D. P. (1997): Balanced Scorecard – Strategien erfolgreich umsetzen,Stuttgart.
[5] Vgl. Belz, Ch. (1996): In Zukunft bestimmen Kundenbeziehungen das Geschäft, in: Schimmel-Schloo, M.(Hrsg.): Zukunft Verkauf, Würzburg, S 150 f.
[6] Vgl. Panhans, T. (2004): Anleitung für effizientes Networking, in: acquisa, Nr. 6, S. 58.
[7] Vgl. Microsoft Corporation (2009): Microsoft CRM Platform Strategy, http://www.xrm.com/Main.aspx.
[8] Vgl. Hippner, H./ Wilde, K. D. (Hrsg.) (2004): Management von CRM-Projekten, Handlungsempfehlungenund Branchenkonzepte, 1. Auflage, Wiesbaden, S. 40 ff und S. 508.
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