Location Based Marketing


31.08.2011

Erste Schritte in die Welt des Mobile Advertisings können Unternehmen mit kostenlosen Services wie Foursquare, Google Places oder Facebook Places machen. So werden Firmen, Produkte und Dienstleistungen bei mobilen Anwendungen für potenzielle Kunden sichtbar. Wir erklären in diesem Beitrag, wie man ein Unternehmen bei dem sog. Location Based Service von Facebook - Facebook Places - anmeldet und warum man dies tun sollte.

Bevor es aber ins Detail geht, soll geklärt werden, für welche Unternehmen sich mobile "Werbung" bezahlt macht. Dazu eine Faustregel: Eine lokale Kundenansprache über mobile Endgeräte, seien es nun Smartphones, iPads oder Netbooks, ist grundsätzlich für alle Unternehmen interessant, die ihre Produkte nicht ausschließlich über das Internet vertreiben.

Ein Eintrag bei Foursquare , Facebook Places oder Google Places ist immer dann geeignet, wenn das Unternehmen eine feste Geschäftsadresse hat, an die sich die Kunden wenden können, um dort Produkte (oder Dienstleistungen) zu kaufen.

Facebook Places und Deals – So sind Sie dort präsent!

Wenn es um neue Hypes im Internet geht, darf auch Facebook nicht fehlen. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis auch das weltweit größte soziale Netzwerk auf den Zug der Location Based Services aufspringt. Mit Facebook Places (auf Deutsch: Facebook Orte) bietet das Unternehmen seit Herbst 2010 eine Anwendung, die es dem Nutzer erlaubt, seinen aktuellen Standort auf Knopfdruck direkt auf seiner Pinnwand zu posten.

Facebook Places ist ursprünglich nicht als Marketinginstrument angelegt worden. Dennoch haben auf Facebook präsente Firmen das LBS-Prinzip "Einloggen und etwas dafür erhalten" als Marketing-Chance begriffen und Facebook Places für "Werbekampagnen" eingesetzt. Mit Deals reagiert Facebook nun auf den Siegeszug der Location Based Services und schiebt eine Erweiterung nach, die es Unternehmen ermöglicht, vertriebliche Aktionen (Deals) direkt auf der Places-Seite zu integrieren.

Das Anlegen von Deals ist kostenlos und auf einen Deal zur Zeit begrenzt. Während Places in den USA bereits im vierten Quartal 2010 gestartet ist, ist Deals – oder wie es bei uns heißt: Facebook Angebote – erst seit Ende Januar 2011 nutzbar.

Einen Place bei Facebook anlegen

Um Facebook Deals zu nutzen, müssen Unternehmen als erstes einen Place anlegen. Dazu muss Facebook eine Ortung ermöglicht werden. Dies kann entweder über die entsprechende App erfolgen oder über einen stationären PC. Voraussetzung dafür ist ein bestehender Basis-Account bei Facebook. Eine Ortung über einen stationären PC kann über die Webadresse touch.facebook.com ausgeführt werden. Dort lässt sich über "Hinzufügen" der Eintrag erstellen. Da für das Anlegen eines Places die Ortung nötig ist, kann dieser Prozess bei Unternehmen mit einem großen Filialnetz zur Sisyphus-Arbeit werden.

[Bitte beachten: Die Prüfung eines Places über Touch läuft nur bis Firefox Version 3.6. – also nicht mehr mit der aktuellsten Version des Browsers.]

Auch ein bereits bestehender Places-Eintrag, der von Unternehmensfremden angelegt worden ist, kann dem Unternehmen offiziell zugeordnet werden, indem man auf den Link "Ist das dein Unternehmen?" klickt. Dies kann aber nur ein offizieller Vertreter des Unternehmens durchführen, weshalb das soziale Netzwerk einen mehrstufigen Verifizierungsprozess vorsieht.

Die Verifizierung erfolgt über zwei Schritte:

1. Email-Adresse
Die zu verifizierende Email-Adresse muss einen Domainnamen enthalten, der sich eindeutig auf den entsprechenden Ort bezieht.

2. Schriftstück
Ein entsprechendes Schriftstück an das Unternehmen (z.B. die Telefon- oder Stromrechnung oder der Handelsregisterauszug) muss via Upload an Facebook übermittelt werden.

Werben in Facebook Places: Die Facebook Deals (Check-In-Deals)

Während bei Foursquare der User-Stamm erst aufgebaut werden muss, um eine kritische Masse zu erreichen, kann bei Facebook auf eine bereits vorhandene Nutzerbasis zurückgegriffen werden. Da die Places-Option automatisch in die User-Accounts integriert wurde, erreichte der Dienst auf einen Schlag fast rund 500 Millionen Nutzer weltweit. Davon nutzen schätzungsweise 150 Millionen Facebook über ein mobiles Endgerät. Und die sind fortan in der Lage, Freunden ihren Standort mitzuteilen. Daher ist ein Eintrag bei Facebook Places Pflicht für jedes Unternehmen.

Bei Facebook Deals gibt es vier Deal-Arten:

Individual Deal: Einzelne Deals, die die User bei dem normalen Login auf der Places-Seite erhalten.

Friend Deal: Der soziale Gedanke wird gebündelt. Diese Deal-Form stellt freundschaftliche Beziehungen in den Fokus und erlaubt Deals für Gruppen. Loggt man sich gemeinsam ein, erhält man Rabatte oder Incentives. Ideal für Restaurants oder Kinos, die so ganze Freundesgruppen anlocken können.

Loyality Deal: Funktioniert ähnlich wie bei Foursquare. Meldet sich der User häufiger an einem Ort an, erhält er ein Incentive. Ideal für Bars, Kinos, Friseure etc.

Charity Deal: Wenn sich der User bei einem Charity Deal einloggt, spendet das Unternehmen automatisch einen bestimmten Betrag an eine vorher kommunizierte wohltätige Institution. Ideal für gemeinnützige Organisationen.

Nach dem Launch von Facebook Deals haben Unternehmen also die Chance, direkt in Kontakt mit ihren Kunden zu treten. Individuelle Angebote können erstellt und durch den viralen Effekt verbreitet werden. Facebook Deals hat zudem den Vorteil, dass bereits ein riesiger Nutzerstamm vorhanden ist. Geschätzt nutzen aktuell etwa 4 Millionen Deutsche Facebook über eine mobile App. Obwohl nicht nur Foursquare, sondern z.B. auch Gowalla eine Kooperation mit Facebook eingegangen sind, und jeder Login auch in dem jeweiligen Facebook-Profil gepostet wird, müssen sich diese Dienste erst noch ihre Fanbasis aufbauen.

Direkt zum Start von Deals in Deutschland waren bereits namhafte Markenhersteller und Händler mit entsprechenden Angeboten dabei:

  • Getreu seiner Markenphilosophie bietet Benetton den Facebook-Nutzern einen Charity Deal an und unterstützt damit "Architecture for Humanity". Vom 1. bis zum 28. Februar 2011 spendet Benetton pro Check-in zwei Euro an ein Technologiezentrum in Kenia.
  • CinemaxX gibt den ersten 10.000 Nutzern, die bei CinemaxX einchecken, eine Tüte Popcorn aus.
  • Douglas bietet beim Check-in in einer der Parfümerien einen Duft von Tommy Hilfiger oder wahlweise 15 Prozent Rabatt auf einen Einkauf.

Auch die folgenden, Facebook Deals nicht ausnutzenden Beispiele zeigen das Potenzial von Facebook Places für Marketingzwecke:

Die University of Kentucky sieht in Facebook Places eine gute Option, noch mehr Studenten für ihr Lehrinstitut zu begeistern. Auf dem Campus gibt es eine Login-Station, über die sich die Hochschüler einloggen können. Das Ziel dieser Maßnahme ist es, durch die Verbreitung in dem sozialen Netzwerk den Bekanntheitsgrad der Studien-Interessenten zu erhöhen. Der virale Effekt ist immens, wenn man bedenkt, dass jeder Facebook-Nutzer im Schnitt 130 Freunde hat.

Koi Fusion, eine mobile Imbissstube aus Portland, schloss sich mit einem Sportartikelhersteller zusammen. Es wurde kurzerhand der "Destroyer Burrito" kreiert. Der Clou: Um ihn überhaupt zu erhalten, mussten User dem Imbiss zuerst auf Twitter folgen. Dort wurde dann der jeweilige Standort der mobilen Imbissstube kommuniziert. Loggte man sich dann vor Ort bei Places ein, durfte man diesen speziellen Burrito genießen.

Die Agentur Jung von Matt versuchte, über Places junge und dynamische Mitarbeiter mit einer Guerilla-Recruiting-Aktion zu gewinnen. Sie legten einfach den Ort ihrer direkten Mitbewerber selber an. Wer sich dann dort einchecken wollte, las den Spruch: "Erster! Wärt ihr auch gern? Dann checkt doch bei www.jvm-neckar.de/jobs ein! Wir suchen neue Köpfe!"

Gerade das letzte Beispiel macht deutlich: Auch wenn ein Unternehmen derzeit nicht den Bedarf sieht, bei Facebook selbst mit einer Fanpage präsent zu sein, so sollte zumindest der Place offiziell angelegt und verifiziert werden, bevor es der Konkurrent tut.

Exkurs: Facebook "Sponsored Stories"

Neu bei Facebook sind auch die Sponsored Stories. Sie erlauben es Unternehmen, Nutzer als Testimonial zu verwenden, wenn diese den "Gefällt mir"-Button für ein bestimmtes Produkt gedrückt haben. Damit diese Statusmeldungen nicht im Newsfeed untergehen, können Unternehmen diese als Sponsored Story auf ihrer eigenen Seite werblich nutzen.

Hier ein Beispiel: Kauft sich ein Nutzer eine Jeans von Levi’s und teilt dies per Status-Update auf Facebook mit, darf Levi’s das Posting in einer Facebook Adds-Anzeige benutzen und den Freunden des Hosen-Käufers auf die Seite stellen – aber nur in den dafür vorgesehenen Anzeigenflächen am rechten Rand.

Viel Potenzial, aber auch Unsicherheit bei den Usern

Location Based Services, beziehungsweise Location Based Marketing, machen Smartphones erst so richtig smart. Durch diese Dienste weiß das Handy nämlich nicht nur, wo es sich gerade befindet, sondern auch noch, was der Besitzer sucht oder gerade braucht – und dank LBS liefert es auch zeitnah die so dringend gesuchte Antwort. Wie immer gibt es aber auch hier die berühmten zwei Seiten der Medaille: Was für den Einen total praktisch ist, ist für den Anderen eine Horrorvorstellung. Kritiker mokieren sich seitdem der erste Dienst live geschaltet worden ist. Das Wort "Geo-Sklaverei" raunt durch die Expertenrunden. Während früher GPS-Ortung nur im Berufsleben eingesetzt worden ist, beispielsweise zur Einsatzkontrolle bei Rettungskräften, oder allerhöchstens bei professionellen Bergsteigern als Sicherheitsfunktion Anklang fand, kann sich heute der Otto Normalverbraucher in Real Time orten lassen.

Doch ein Blick in die Zukunft zeigt, dass die Weiterentwicklung dieser Dienste ein unumgänglicher Prozess ist. So postulierte Götz Haman auf Zeit.de: " Der Mensch denkt, das Handy lenkt " und skizzierte in dem spannenden Artikel eine interessante Aussicht: Durch das gezielte Sammeln von persönlichen Informationen sind Agenturen bald in der Lage, Kundenwünsche zu erahnen. Ähnlich der Buchempfehlungsfunktion bei Amazon sollen Handelsketten in Zukunft ihren Kunden die Wünsche von den Augen ablesen – über das Handy. Dabei klingt das Wort "Empfehlung" vorerst unverfänglich, doch für den Kommerz ist es eine deutliche Weiterentwicklung. Smartphones werden integraler Bestandteil unseres Alltags und öffnen somit einer bahnbrechenden Empfehlungsstrategie Tür und Tor. Rund um die Uhr – 24/7, 365 Tage im Jahr...

Weiterführende Informationen

- Unternehmensleitfade Facebook Deals
- FAQ Facebook Places

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem kostenlosen Whitepaper " Location Based Marketing So werben Sie ortsbezogen! " Hier erfahren Sie auch, wie man ein Unternehmen bei Foursquare oder Google Places anmeldet, welcher Dienst für welche Zielgruppen geeignet ist und welche Werbemöglichkeiten Unternehmen dort vorfinden.


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Autoren

  • Henning Langer

Henning Langer ist Mobile Specialist bei der Performance-Marketing-Agentur eprofessional in Hamburg.

  • Ben Möhlenhoff

Ben Möhlenhoff ist Social Media Specialist bei der Performance-Marketing-Agentur eprofessional in Hamburg. Seit Oktober 2009 ist er hauptsächlich für die Entwicklung und Umsetzung von Social Media-Konzepten und Kreativstrategien zuständig.




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